Kräuterwanderung im Hunsrück (Info)

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   von Monika Kirschner



Zubereitung:
Die Landfrauen von Schwarzerden im Hunsrück treffen sich regelmässig
zu Kräuterwanderungen im Umfeld ihres Dorfes. Im Frühling ist das
Angebot an frischen Wildkräutern besonders gross.

Kulinarische Überraschungen bieten in diesen Tagen Sauerklee,
Spitzwegerich, Sauerampfer, Brennnessel, Veilchen, Schlüsselblumen,
Giersch und Gänsebluemchen. Am Ende der Wanderung werden die wilden
Genüsse gemeinsam zubereitet. Dann gibt es Köstlichkeiten wie
Brennnesselrahmsuppe, Wildkräutersalat und Wildkräuterquiche mit
Hackfleisch.

_Unkraut vergeht nicht_ Jeder, der einmal versucht hat, Quecke,
Löwenzahn, Vogelmiere oder Giersch aus seinem Garten zu vertreiben,
kennt die unbeugsame Vitalität dieser Wildkräuter. Es gibt kaum
Pflanzen von vergleichbarer Lebenskraft. Man nennt sie deshalb auch die
"Anarchisten" unter den Pflanzen. Unkräuter oder besser Wildkräuter,
die in unseren gemässigten Breiten wachsen, sind seit Jahrmillionen an
unser Klima angepasst. Sie dienten dem mitteleuropäischen Homo sapiens
Zehntausende von Jahren als wichtigste Nahrungsquelle. So erlauben
unsere einheimischen Wildkräuter und -früchte eine Zeitreise zu den
vergangenen Speiseplänen und zu vergessenen Geschmackserlebnissen.
Wildpflanzen sammeln war in früheren Zeiten neben der Jagd die
entscheidende Überlebenstechnik. Unsere Vorfahren haben noch über
1.000 der rund 12.000 mitteleuropäischen Pflanzensorten gegessen. Wir
kultivieren und essen heute jedoch nur noch wenige davon.

Hier eine Galerie der gebräuchlichsten Kräutersorten!
http://www.wdr.de/tv/service/kostprobe/inhalt/20050509/b_2.phtml#1
_Wildpflanzen: gesunde Multitalente_

Essbare Unkräuter und andere Wildpflanzen sind sehr nährstoffreich
und gesund. Sie sind besonders reich an so genannten sekundären
Pflanzenstoffen und anderen bioaktiven Substanzen. Immer wieder tauchen
Sammelbegriffe für die wirksamen Vitalstoffe auf. Besonders häufig
enthalten sind die Flavonoide, die unter anderem die Wirkung des
Vitamin C verstärken sollen. Experten schreiben den sekundären
Pflanzenstoffen noch weitere Wirkungen zu: * Antibakterielle Wirkung *
Neutralisieren von freien Radikalen * Hemmen des Krebswachstums *
Verringerung der Bildung von Blutgerinnseln * Regulierung von Blutdruck
und Blutzucker * Stärkung der Immunabwehr _Delikatessen ganz umsonst_
Wir können Wildkräuter sicherlich nicht fünfmal am Tag auf den
Tisch bringen, aber eine wöchentliche Einlage ist durchaus
realistisch. Sammeln kann man die Kräuter selbst. Die meisten wird man
in keinem Laden finden.

Das Beste ist, man schaut sich bei Ausflügen in die Natur nach
unbelasteten Standorten um. Dazu gehören unter anderem Wiesen,
Wegränder, Bachläufe, Brachflächen oder Waldsäume. Hat man einmal
solche Flecken ausgemacht, ist es kein Problem, sich bei einem
Spaziergang immer wieder so einzudecken, dass man zu Hause in der
Küche Wildkräuter direkt einsetzen kann. Die Artenkenntnis steigt von
Mal zu Mal. Und jeder, der eine Brennnessel, einen Löwenzahn oder ein
Gänsebluemchen erkennen kann, ist in der Lage, damit sofort seine
Küche um neue, ungeahnte Genüsse zu bereichern.
Die Skepsis von Familie und Freunden wird sich schnell in Begeisterung
wandeln, und Hobbysammler werden eine Menge Nachahmer finden, denn das
Hauptargument für ihre neuen kulinarischen Abenteuer ist zunächst
einmal der Genuss. Den gesundheitlichen Nutzen bekommt man als
willkommenes Extra dazu.

_Wiese als Speisekammer_ Die zweite Wildkräuterquelle ist der eigene
Garten. Überlassen Sie einen Bereich der spontanen Besiedelung, und
schon nach kurzer Zeit können Sie Vogelmiere, Giersch und Brennnessel
ernten - am besten mit der Küchenschere, dann wächst alles gut nach.
Fehlen einige Wildarten, so kann man nachhelfen, indem man sich von
einem Spaziergang zum Beispiel eine Sauerampferpflanze mitbringt. Auch
der Rasen ist eine ergiebige Quelle leckerer Wildkräuter, wenn man
sich entschliessen kann, ihn in eine Wiese zu verwandeln, die nur
selten (ein- oder zweimal im Jahr) geschnitten wird. Das macht weniger
Arbeit und bietet allen Sinnen weit mehr als ein englischer
"Golf"-Rasen.

_Tipps zum Sammeln_ * Nur Pflanzen pflücken, die man ganz sicher
kennt.
* Am besten einen Korb und eine Küchenschere zur Ernte mitnehmen.
Den Korb mit etwas angefeuchtetem Zeitungspapier auslegen. Blätter und
Blueten vorsichtig darauf schichten. So überstehen die Pflanzen auch
eine längere Reise. Keine Plastiktüten verwenden! Die Pflanzen werden
in Plastiktüten leicht gequetscht. Ausserdem fangen sie an zu
schwitzen, und durch das Kondenswasser werden sie welk.
* Nur die Pflanzenteile ernten, die auch verwendet werden.
* Blueten erst gegen Mittag ernten, wenn sie aufgeblueht sind und der
Morgentau getrocknet ist. Blueten, die kurz vor dem Verwelken sind,
lässt man stehen, denn sie duften und schmecken nicht mehr.
* Pflanzen nie restlos abernten. Immer etwas stehen lassen, damit sich
der Bestand erholen kann. Eine schonende Ernte geschieht am besten mit
einer Küchenschere oder mit Daumen und Zeigefinger.
* Strassenränder und Böschungen als Erntestandorte vermeiden. Hier
finden sich zwar vielfach Schlehen und Rosensträucher, aber sie sind
zum Beispiel durch die Abgase nicht mehr zum Verzehr geeignet.
* Direkte Feldränder vermeiden. Die Kulturen, wie zum Beispiel Mais,
sind nicht nur gedüngt, sondern auch immer wieder mit
Pflanzenschutzmitteln behandelt. Die Feldränder bekommen davon
reichlich ab. Auch Wiesen werden mit Gülle gedüngt. Dann sollte schon
der Geruch von der Ernte abhalten.
* In der freien Landschaft nicht in Bodennähe ernten, da der
Fuchsbandwurmerreger durch Urin von den Wildtieren übertragen werden
kann. Das gilt besonders für Pflanzenteile, die roh verzehrt werden
sollen. Als Faustregel gilt: Erwachsene können ab Kniehöhe, Kinder ab
Bauchnabelhöhe ernten.
* Pflanzenteile vor der Verarbeitung sorgfältig verlesen, vorsichtig
waschen und in einem Küchentuch oder einer Salatschleuder
trockenschleudern.
* Für Einsteiger bieten Vereine, Volkshochschulen und andere Gruppen
organisierte Kräuterwanderungen an.

_Literaturtipps_ * Jean Pütz, Monika Kirschner Hobbythek
Lebenselixiere aus Deutschland Vgs, 2002 ISBN 3802562283 Preis: 15,90
Euro * Brigitte Klemme, Dirk Holterman Delikatessen am Wegesrand
Un-Kräuter zum Geniessen Mädler Edition Rau, 2002 ISBN 3925691251
Preis: 10 Euro * Wildkräuter, Wildfrüchte bestimmen leicht gemacht
Gräfe & Unzer, 2004 ISBN 3774263183 Preis: 4,90 Euro
_Link_ http://www.soonwald.de
Initiative Soonwald e.V.

Die Rezepte im Mai:
Wildkräutersuppe mit Lachsstreifen Brennnesselsuppe Wildkräuterquiche
mit Hackfleisch Spargel-Wildkräuter-Quiche Lauwarmer Wildkräutersalat
mit Pinienkernen Löwenzahnsalat mit Minze-Honig-Dressing
Löwenzahnsirup
http://www.wdr.de/tv/service/kostprobe/inhalt/20050509/b_2.phtml



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