Qs-Zeichen: Mehr Sicherheit Beim Fleischkauf? (Info)

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   von Thomas Liesen



Zubereitung:
Fast zwei Jahre nach Beginn der BSE-Krise in Deutschland scheint
Normalität eingekehrt zu sein, denn der Fleischabsatz ist fast auf
altem Niveau. Dennoch: Das Vertrauen der Verbraucher in die
Landwirtschaft hat arg gelitten. Und genau dagegen will jetzt die
Fleischwirtschaft angehen. Ab Mitte September wird daher ein weiteres
Zeichen zur Siegelflut auf deutschen Lebensmitteln beitragen: das
QS-Gütesiegel für Fleisch. QS steht für "Qualität und Sicherheit",
auch wenn es der Bauernverband gleich mit "Quantensprung" übersetzt.

Zunächst hat das QS-Siegel vor allem einen Sinn: Es soll den Absatz
von Fleisch fördern. Aus der Taufe gehoben hat es eine breite Allianz:
Bauernverband, Futtermittelindustrie, Fleischindustrie und der
Einzelhandel. Und entsprechend will man kein Nischen-Siegel, sondern
eines, dass für viele, wenn nicht die meisten Produkte passt. Daher
ist klar, es soll Fleisch aus konventionellen Betrieben adeln, von Öko
ist keine Rede.

_Was verspricht das neue Siegel?_ In ersten Entwürfen sah es denn
auch so aus, dass das QS-Zeichen nicht mehr garantieren soll als die
Einhaltung der bestehenden Gesetze - reine Augenwischerei also. Aber
vor allem der Handel gab sich damit nicht zufrieden. Und mittlerweile
hat man Kriterien festgelegt, die in einigen Punkten über das
gesetzlichen Mindestmass hinausgehen: * Verbot von Antibiotika als
Leistungsförderer in der Tiermast.
Erlaubt bleibt aber weiterhin der Einsatz bei der Fütterung von
Ferkeln mit einem Gewicht von weniger als 40 Kilogramm.
* Eine Positivliste für Futterinhaltsstoffe wird eingeführt.
Bisher galt eine Negativliste: Es war alles erlaubt, was der
Gesetzgeber nicht ausdrücklich verboten hatte. Anders als bisher
müssen jetzt auch alle Inhaltsstoffe auf den Futtersäcken offen
deklariert werden.
* Kontrollen finden erstmals auch bei konventionellen Landwirten statt.
Zertifizierte QS-Prüfer besuchen jeden Hof eines QS-Bauern mindestens
alle drei Jahre. QS-Bauern müssen sich zur bisher nicht erforderlichen
Dokumentation ihrer Arbeit verpflichten, also Aufzeichnungen über
Medikamenteneinsätze, Tierarztbesuche und Futterkäufe führen.
* Der Landwirt darf sich seinen Tierarzt nicht mehr frei wählen.
Nur noch Vertragstierärzte sind zugelassen. Das soll unerlaubtes
Medikamenten-Doping verhindern.

_Kritik an laschen QS-Standards_ Verbraucherverbände und
Naturschützer sehen das QS-Zeichen kritisch. Sie bemängeln, dass die
Verantwortlichen der BSE-Krise das neue Gütesiegel unter sich
ausmachen, ohne Beteiligung der Verbraucherschützer. Ausserdem fallen
einige Kriterien weit hinter Öko-Standards zurück. Das betrifft nicht
nur den Einsatz von Antibiotika in der Ferkelaufzucht. So gibt es auch
keinerlei Vorschriften zur Tierhaltung. Es ist lediglich das Gesetz
einzuhalten. Und das erlaubt Haltungsbedingungen gerade in der
Schweinemast, die alles andere als tiergerecht sind. Die Folge:
Krankheiten im Stall. Und das könnte die strengen QS-Richtlinien für
Arzneien gleich wieder unterlaufen. Denn Antibiotika sind ausnahmsweise
erlaubt, wenn es um die Therapie von Krankheiten geht, auch wenn
Infektionen durch die Haltungsbedingungen provoziert werden.

Ein weiteres QS-Manko: Gentechnik in den Futtermitteln ist erlaubt.
Ebenfalls ist noch nicht klar, ob Tiermehl verboten bleiben soll oder
doch wieder in den Futtertrog darf, zumindest in der Schweinemast.

_Kontrollnetz mangelhaft_ Kritik erntet auch das weitmaschige
Kontrollnetz von QS. Nur alle drei Jahre muss der Landwirt zum
"QS-TÜV", während Bio-Bauern jährlich den Kontrolleuren ihren Hof
öffnen müssen. Mangels Kontrollen täuscht das QS-Siegel auch gerade
jetzt in der Anfangsphase mehr Sicherheit vor, als es tatsächlich
garantieren kann. Die so genannten "QS-Bündler", wie zum Beispiel
Schlachthöfe, können nämlich ihre gesamte Ware bereits mit Siegel
vermarkten, wenn gerade mal 10 Prozent der angeschlossenen Betriebe
überprüft und zugelassen sind.

_Erste QS-Ware im September im Handel_ Am 19. September 2002 will nun
der Handelsriese Wal Mart den Anfang machen: Dann kommt QS-Fleisch
erstmals in die Kühltheken einer Supermarktkette. Weitere
Handelsunternehmen wollen bald folgen. Sie erhöhen den Druck auf die
Fleischwirtschaft, QS-Ware bald in grossem Umfang anzuliefern. Damit
keine Engpässe auftauchen, wollen viele Schlachtunternehmen jetzt die
Bauern mit differenzierten Preisen locken: Mehr Geld für QS-geprüftes
Fleisch, weniger Geld für konventionelle, ungeprüfte Ware. Erklärtes
Ziel: 90 Prozent der Landwirte sollen bis Ende nächsten Jahres
QS-zertifiziert sein.
Fleisch ohne Siegel soll fast ganz vom Markt verschwinden.

Allerdings ist schon jetzt abzusehen, dass die Handelsriesen den
Schlachthöfen und Fleischvermarktern kaum höhere Preise für das
Fleisch zahlen werden. Und die sehen sich daher auch nicht in der Lage,
die Bauern für ihren Mehraufwand angemessen zu entschädigen.
Maximal 1 Cent pro Kilogramm wollen die Schlachthöfe für QS-Fleisch
draufzahlen.

Bislang ist das QS-Zeichen nur für Rotfleisch und Fleischwaren
definiert. Kriterien für Geflügel werden von der QS GmbH zurzeit erst
erarbeitet.

_Nachbesserung gefordert_ Für die Öko-Verbände ist auch das ein
Dorn im Auge: Gerade Landwirte seien ohnehin finanziell zu sehr unter
Druck. Da sei die Versuchung gross, doch wieder zu verbotenen
Masthilfen aus dem Chemielabor zu greifen. Umkehr zur naturnahen
Landwirtschaft mit entsprechender Vergütung für Landwirte statt
verbesserter Dopingkontrollen ist daher das Motto der Öko-Verbände.

Auch Renate Künast ist vorerst skeptisch und will das QS-Zeichen nur
unterstützen, wenn es zumindest auch ein explizites Gentechnik- und
Tiermehlverbot beinhaltet und bei der Tierhaltung nachgebessert wird.
Es bleibt abzuwarten, ob die QS-Initiatoren den Verbraucher- und
Tierschutz tatsächlich so ernst nehmen werden.

Kontaktadresse:
* QS Qualität und Sicherheit GmbH Hochkreuzallee 72 53175 Bonn Tel.
(02 28) 9 59 60-0 Fax (02 28) 9 59 60-50 Internet: www.q-s.info E-Mail:
info@q-s.info
Link:
* Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) Pressemitteilung zum
QS-Siegel
http://www.vzbv.de/start/?page=presse&bereichs_id=&themen_id=&mit_id
=105 http://www.wdr.de/tv/service/kostprobe/inhalt/20020909/b_1.phtml



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