Thunfisch-Konserven im Test (Info)

  1 Info
   von Anja Dannenberg



Zubereitung:
Frischer Thunfisch, gegrillt mit ein wenig Olivenöl und Zitrone,
schmeckt vorzüglich. In Deutschland kommt er allerdings recht selten
auf den Tisch. Hier bevorzugen die meisten Zeitgenossen Dosenware. Doch
die ist längst nicht immer ein Genuss. Das stellten drei Fisch- und
Feinkost-Experten fest, die im Auftrag von ServiceZeit KostProbe 20
verschiedene Thunfisch-Konserven sensorisch prüften. Dabei fanden sie
erhebliche Unterschiede in Geschmack und Qualität. Im Test waren
"Thunfisch in Pflanzenöl" und "Thunfisch in eigenem Saft und Aufguss".
Alle Produkte wurden im Labor zusätzlich auf Schadstoffe untersucht.

_Aus dem Meer direkt in die Dose_ Kein Fisch wird weltweit in so
grossem Stil als Konserve vermarktet wie der Thunfisch. Nach Hering,
Alaska-Seelachs, Kabeljau und Lachs steht er bei uns auf Platz 5 der
Beliebtheitsskala von Fisch.
Inzwischen findet man in Supermärkten auch Thunfisch-Spezialitäten
mit Saucen und Gemüsen, zum Beispiel mit Zwiebeln, Erbsen oder Mais.

Die Familie der Thunfische ist sehr artenreich. In allen Meeren der
tropischen und gemässigten Breiten sind die Raubfische zu finden.
Sie leben meist in kleineren Schwärmen zusammen. Weltweit am
häufigsten kommen der echte Bonito, der Gelbflossenthun oder Yellowfin
und der Skipjack vor. Eine seltenere Art ist der Albacore, der weisse
Thunfisch. Der grösste Vertreter der Familie, der Rote Thunfisch, kann
mehr als drei Meter lang und schwerer als 300 Kilogramm werden.

_Laborergebnisse überwiegend positiv_ Negativ-Schlagzeilen über
Fischkonserven sind nichts Neues.
Enthalten sie Umweltgifte und Schwermetalle? Wie gut schmeckt der
Dosenfisch? ServiceZeit KostProbe hat 20 Thunfischkonserven
stichprobenartig getestet. Die Preisspanne reichte von 0,66 Mark pro
100 Gramm Fisch beim Discounter bis hin zu 6,70 Mark für das
Öko-Produkt. Die chemische Untersuchung übernahm das staatliche
Veterinäruntersuchungsamt für Fische und Fischwaren in Cuxhaven.
Von jedem Produkt wurden mindestens drei Konservendosen einer Charge
untersucht. Dabei gab es nur bei einer Probe eine Beanstandung aus
lebensmittelrechtlicher Sicht.

_BADGE: Eine Beanstandung_

BADGE ist ein chemischer Weichmacher aus der Konservenbeschichtung, der
das Erbgut schädigen und Krebs erzeugen soll. Der EU-Grenzwert liegt
bei einem Milligramm pro Kilogramm. In drei von vier untersuchten Dosen
der Marke Nixe fanden die Wissenschaftler stark überhöhte Werte an
BADGE. Damit hätten diese Konserven nicht mehr verkauft werden
dürfen. Bei allen anderen Proben im Test war BADGE kein Problem.

_Quecksilber: Nur Spuren_

Gelangt Quecksilber über die Nahrungskette in den menschlichen
Körper, dann führt es zu schweren Gesundheitsschäden. Für dieses
hochgiftige Schwermetall gibt es einen nationalen Grenzwert von einem
Milligramm pro Kilogramm Lebensmittel, der von keiner Probe in unserem
Test überschritten wurde.

_TBT: In jeder zweiten Probe_

Auch zinnorganische Verbindungen vermuteten wir in den
Thunfischkonserven. Tributylzinn (TBT) zum Beispiel ist ein
gesundheitsschädigendes Teufelszeug, das in Schutzanstrichen von
Schiffsrümpfen enthalten ist und so ins Meer und in den Fisch gelangen
kann. Beim Menschen ruft es schon in geringsten Mengen Störungen im
Immunsystem und im Hormonhaushalt hervor. Neun Thunfischkonserven im
Test enthielten TBT. Die höchste Konzentration fand sich in der Probe
von der Marke Abba. Es gibt derzeit keine gesetzlichen Höchstmengen
für TBT in Lebensmitteln.
Als vorläufiger Beurteilungsgrenzwert sind 10 Mikrogramm pro Kilogramm
in der Diskussion. Keine der 20 Proben im Test überschritt diese
kritische Marke.

_Der Frische-Test:_

Der EU-einheitliche Grenzwert für Histamin liegt bei 200 Milligramm
pro Kilogramm. Die Experten fanden Histamin in Proben von Tuna (16
Milligramm pro Kilogramm) und Nixe (33 Milligramm pro Kilogramm).
Der Gehalt an diesem biogenen Amin ist ein Hinweis auf mangelnde
Frische, eine Gesundheitsgefahr bestand für den Verbraucher allerdings
nicht.

_Gourmets prüfen den Genusswert_ Der sensorische Test fand in Köln
statt. Unsere Prüfer: Herby Neubacher, Fischexperte und
Food-Journalist, Christian Scherzer, Abteilungsleiter Food bei Karstadt
und Fischgrosshändler Johannes Frings. Sie beurteilten die 20
Thunfischproben in punkto Aussehen, Konsistenz, Geruch und Geschmack.

Zum Teil waren die Tester begeistert von der guten Qualität. Die Marke
Sßlica wurde sensorischer Testsieger. Aber immerhin zahlt der Kunde
für den weissen Thunfisch ganze 4,66 Mark pro 100 Gramm
(Abtropfgewicht). Ebenfalls "sehr gut" schnitt ein Produkt von
Saupiquet in Pflanzenöl ab und liegt mit 1,33 Mark pro 100 Gramm sogar
im unteren Preissegment.

Die Proben der Marken Abba, Saupiquet mit und ohne Öl in den kleinen
65 Gramm Dosen sowie Almare rose wurden von den drei Gourmets als
geschmacklich "gut" befunden.

_Hälfte geschmacklich durchgefallen_ 9 von 20 Proben kamen nicht so
gut weg. Häufigste Kritikpunkte: "Geschmack ist nicht vorhanden", "Der
Fisch ist total trocken", "Keine Fischstruktur zu erkennen", "Geruch:
muffig", "Schmeckt nach Dose", "Öl übertüncht den gesamten
Fischgeschmack." Bei einer Dose von Eka verweigerten die Drei sogar
den Geschmackstest. Statement von Herby Neubacher: "Der Geruch ist
richtig schlimm, also ihr solltet entscheiden, ob ihr das essen wollt.
Ich esse das nicht." Schlechte Noten im Geschmackstest bekamen auch die
Proben von Gold Berry in Pflanzenöl und Omega in eigenem Saft.

Die genauen Testergebnisse finden Sie hier:
http://www.wdr.de/tv/service/kostprobe/kp_sarchiv/2000/09/25_1tabell
e.html Wie hat wirklich guter Thunfisch aus der Dose eigentlich
auszusehen? Um die Mindestqualität zu erreichen, dürfen keine Gräten
oder Teile braunen Fleisches enthalten sein. Ein Tipp: Kleine,
unappetitliche Bröckchen werden auf dem Etikett oft als "Thunfisch
geschnitten" gekennzeichnet. Wer schöne Filetstücke kaufen will,
sollte auf den Aufdruck "solid pack" achten.

Bei der Verarbeitung von Thunfisch zu Konserven gibt es offensichtlich
gewaltige Qualitätsunterschiede. Aber unser Test zeigt: Man bekommt
auch guten Dosenfisch für wenig Geld.

_Exzellent: Frischer Thunfisch_

In Deutschland greifen noch relativ wenig Verbraucher zu frischem
Thunfisch aus der Fischtheke. Für all diejenigen, die den beliebten
Dosenfisch noch nie "frisch" probiert haben: Das meist rötliche
Fleisch schmeckt weniger nach Fisch, sondern eher ähnlich wie
Kalbfleisch. Thunfisch zählt zu den Fettfischen und hat bis zu 260
Kilokalorien pro 100 Gramm. Er liefert neben Jod und Vitamin A vor
allem wertvolle essentielle Fettsäuren.

Frischen Thunfisch kann man grillen, braten oder dünsten.
Thunfisch-Geschnetzeltes mit Pfifferlingen und Risotto ist eine
ausgefallene Variante. Und für Fans von rohem Fisch gibt es
Thunfisch-Carpaccio mit Limone.

_Fischbestand schrumpft bedrohlich_ Manche Verbraucher zögern dennoch
beim Kauf von Thunfisch. Berichte über die Überfischung der Meere und
das grausame Abschlachten von Delphinen beim Thunfischfang machen
nachdenklich. Und tatsächlich: Diese Probleme sind noch längst nicht
gelöst.

Laut FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der
Vereinten Nationen (UNO), sind riesige Teile des Atlantiks, Indischen
und Pazifischen Ozeans bereits überfischt. Viele Fische werden schon
vor der Geschlechtsreife gefangen und können sich nicht mehr
fortpflanzen. Die grössten Fischfangnationen Japan, Taiwan, Mexiko,
Korea, USA, Spanien und Frankreich beuten weltweit die Meere derart
aus, dass die Bevölkerung vieler ärmerer Länder mit ihren
traditionellen Fangmethoden leer ausgeht.

_Todesfalle Treibnetz_ Besonders gefährdet ist der
Blauflossen-Thunfisch. Auf japanischen Märkten erzielen die Händler
für ihn horrende Preise bis zu 200 US-Dollar pro Kilogramm, die
Sushi-Fans bereitwillig zahlen. Für andere Sorten hingegen wird im
Welthandel nur wenig gezahlt. Die Fischer gleichen das mit grösseren
Fängen aus, wobei insbesondere kilometerlange Treib- und
Ringwadennetze eingesetzt werden. In ihnen bleiben auch Wale,
Schildkröten, Seevögel und vor allem Delphine hängen, was für sie
den Tod bedeutet. Die grössten Probleme bezüglich der Delphine treten
im Ost-Pazifik auf, wo sie die Thunfischschwärme (yellowfin) auf ihrer
Reise begleiten und dann oft mitgefangen werden.

Weltweit gibt es bereits für viele Thunfischarten und Regionen
Fangbeschränkungen. Weltweit sind Polizei und Umweltschützer bemüht,
illegalen Machenschaften Herr zu werden, die besonders beim
Thunfischfang noch immer auf der Tagesordnung stehen. Die Einhaltung
des Verbots der Treibnetzfischerei der UNO wird vielerorts nicht
durchgesetzt, auch dort nicht, wo schon viele Fischarten vom Ausstreben
bedroht sind.

_Delphinfreundlich?_ Menschen lieben Delphine wegen ihres
ausgeprägten Sozialverhaltens, ihrer unbändigen Spielfreude und
Geselligkeit. Dennoch sind mehrere Delphin-Arten nach Meinung von
Umweltschützern und Meeresbiologen in den nächsten Jahren vom
Aussterben bedroht. Die mächtige US-Umweltschutzorganisation "Earth
Island Institute" hat vor vielen Jahren ein internationales
Überwachungsprogramm von Fangflotten, Grossmärkten und Fabriken
gestartet. Wann, wo, wie viel und vor allem womit wurde Thunfisch
gefangen? Spezielle Kontrollstellen überwachen die Unternehmen. In
Deutschland ist das die "Gesellschaft zur Rettung der Delphine", die
1993 gegründet wurde.
Sie erstellt eine Positiv-Liste mit Importeuren, Händlern und
Herstellern, die sich an die aufgestellten Regeln halten. Rund 95
Prozent der deutschen Thunfischimporte arbeiten mit den
Umweltschützern zusammen und haben sich vertraglich verpflichtet,
keinen Treibnetzfang mehr zu verwerten. Fische, die in Treibnetzen
gefangen wurden, sind an typischen Verletzungen zu identifizieren.
Mit ihrem Einverständnis werden Importeure, Grossmärkte und
Supermärkte regelmässig kontrolliert. Ab 2002 ist EU-weit die
Treibnetz-Fischerei verboten. Für den deutschen Markt dürfen schon
jetzt aus rechtlicher Sicht keine mit Treibnetzen gefangenen Thunfische
verarbeitet werden. Die auf den meisten Konserven abgebildeten Zeichen
für Delphinfreundlichkeit sind nicht geschützt. Ein einheitliches
Siegel gibt es nicht. Es handelt sich also unter Umständen lediglich
um eine faule Marketingstrategie.

_Zukunftsfähige Fischerei_ Die Kontrollen sind auf See wie an Land
nur schwer durchzuführen, denn die Schiffe wechseln oftmals die
Fangregionen oder aber sogar die Besitzer. Heute fangen sie im Pazifik,
morgen im Atlantik. Auch kann kaum überprüft werden, ob nicht Fische
aus umweltfreundlichem Fang mit Tieren aus der Treibnetzfischerei
gemischt wurden.

Die FAO und die Umweltschützer hoffen auf ein weltweites Abkommen zum
Verzicht auf Treib- und Ringwadennetze und setzen vor allem auf die
Grössenregulation beim Fang. Mit strengeren Fangquoten und vor allem
mit schonenden Fangmethoden wie dem Köderangeln (Pole and Lining)
einzelner Fische kann Schlimmeres vermieden werden. Nur so können die
gefährdeten Thunfischbestände erhalten bleiben.

_Weitere Informationen_ Die "Thunfisch-Checkliste" mit den
Thunfisch-Marken und den Thunfisch-Importeuren beziehungsweise
Händlern, die dem Programm zur Rettung der Delphine angeschlossen
sind, bekommt man gegen einen mit 3 Mark frankierten Rückumschlag bei
der * Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V.
Kornwegerstr. 37 81375 München Tel. (0 89) 74 16 04 10 Fax (0 89) 74
16 04 11 Internet: http://www.delphinschutz.org/thunmarken.htm E-Mail:
info@delphinschutz.org
Die Broschüre "Einkaufsführer Fisch" können Sie gegen einen mit 3
Mark frankierten Rückumschlag und weiteren 3 Mark in Briefmarken
bestellen beim * WWF - Fachbereich Meere und Küsten Am Güthpol 11
28757 Bremen Tel. (04 21) 6 58 46 29 (Infodienst) Fax (04 21) 6 58 46
12 Internet: http://www.wwf.de E-Mail: bremen@wwf.de oder gegen einen
6-Mark-Verrechnungsscheck bei der * Verbraucherzentrale des Landes
Bremen e.V.
Beratungszentrum Bremen Altenweg 4 28195 Bremen Tel. (04 21) 1 60 77 54
Fax (04 21) 1 60 77 80 E-Mail: ernährung.vz.bremen@t-online.de
Informationen zum weltweiten Fischbestand und Fischfang:

* http://www.fao.org
FAO Fisheries Circular No. 920 (englischsprachige Seiten) *
http://www.greenpeace.de
http://www.wdr.de/tv/service/kostprobe/kp_sarchiv/2000/09/25_1.html



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