Räbe-Chilbi: Lichter im Dunkeln

   Herbstrübe
   Räbe
 
REF:  Rita Iseli (BB-News 2002) Vermittelt von R.Gagnaux



Zubereitung:
Alle Jahre wieder, jeweils am zweiten Samstag im November, ist die
Zuercher Gemeinde Richterswil ein einziges Lichtermeer. Tausende von
kunstvoll geschnitzten Räben werden am Umzug mitgeführt und auch
viele Häuser sind mit erleuchteten Räben dekoriert.

Der weltweit grösste Räbeliechtli-Umzug: Wie jedes Jahr am zweiten
Samstag im November wird bei anbrechender Dunkelheit ein Böllerschuss
abgefeuert und die Strassenbeleuchtung ausgeschaltet.

Um 18.30 Uhr setzt sich der ca. 1,5 Kilometer lange Umzug mit über
1000 Mitwirkenden in Bewegung. Das mit Räbeliechtli feierlich
flackernde Dorfereignis dauert ungefähr eine Stunde.

Tausende von Räben - tausende von Arbeitsstunden: An der Spitze des
Umzugs marschiert die Dorfmusik. Nach überlieferter Tradition führen
schwarzgekleidete Kirchgängerinnen mit geschnitzten und erleuchteten
Einzelräben den Umzug an. Dann folgen Kindergärtner und untere
Schulklassen mit verzierten Einzelräben sowie obere Klassen mit selbst
gestalteten Bildern aus Räben, die sie auf Gestellen und Tragbögen
mitführen. Sujets des vergangenen Jahres waren z.B.
'Bücherwurm', 'Kampfhund' und 'Frieden'.

Die Dorfvereine gestalten aus hunderten bis über tausenden von Räben
ebenfalls prächtige Sujets, die sie als Transparente oder leuchtende
Plastiken mittragen. Darunter letztes Jahr: 'Schwanenpaar'
(Wasserballclub), 'Roger Federer' (Tennis-Club) und 'Händ mir en
Vogel?' (Jungwacht/Blauring). Zwischen den ca. 40 Sujets marschieren
Musikgruppen im Umzug mit.

Ein Dorf in feierlich besinnlicher Feststimmung: Nicht nur des Umzugs
wegen lohnt es sich am Samstag vor Martini nach Richterswil zu kommen.
Ab 14 Uhr bis zum Umzugsbeginn spielen verschiedene Musikformationen
auf. Beim Einnachten sind viele Häuser an der Umzugsroute und im Dorf
mit Räbeliechtli dekoriert und beleuchtet.
Gegen 50'000 von Hand gegossene Kerzen flackern in den mit viel Liebe
angefertigten Räbeliechtli.

Pflanzauftrag der ganz besonderen Art: Jedes Jahr werden für die
Richterswiler Räbechilbi rund 27 Tonnen Räben angepflanzt. Bauern im
Furttal (Regensdorf, Adlikon) säen sie um den 1. August aus, pikieren
und pflegen sie, bis sie Anfang November geerntet, gewaschen und nach
Richterswil transportiert werden - bereit, verziert und ausgehöhlt zu
werden.

Tausende von Arbeitsstunden: aufwändig geschnitzte Einzelräbe: Mit
der Überlieferung ist das so eine Sache... Auch wenn die
Überlieferung um den Ursprung der Richterswiler Räbechilbi weder zu
beweisen noch zu widerlegen ist, war sie doch der Grundstein zu einem
erhaltenswerten Dorfbrauch.

Am Martinstag, dem zweiten Sonntag im November, ging früher das
landwirtschaftliche Pachtjahr zu Ende. Die Bauern mussten den Pachtzins
entrichten. Den Dank für die eingebrachte Ernte drückten die Bauern
mit einem Gottesdienst und Dankopfern aus, gefolgt von einem Volksfest,
der Kirchweih (Chilbi). In Richterswil sollen Bäuerinnen am Martinstag
mit ausgehöhlten Räben zum Abendgottesdienst erschienen sein, in
denen ein Talglicht brannte.
Die Räben erleuchteten ihnen den Weg vom Berg zur Kirche.

Heute weiss man, dass in der reformierten Kirche Richterswil am Abend
kein Gottesdienst stattgefunden hat, sondern am Morgen, gefolgt von
einer Volksbelustigung, der Chilbi.

Der Richterswiler Ulrich Baumann gilt als eigentlicher Erneuerer und
Initiant des Lichterumzugs. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts trugen
Kinder am Martinstag einzeln oder in kleinen Gruppen Räbeliechtli
durchs Dorf. Um 1850 organisierte der Lehrer mit seinen Schulkindern
den ersten Räbeliechtli-Umzug im Dorf.

Als die Kirche 1873 neue Glocken bekam, wurde das Kirchweihfest auf den
zweiten Sonntag im August vorverlegt, der Termin für die Räbechilbi
mit dem Kinderumzug aber beibehalten, weil die Räben erst im November
geerntet werden. Um 1890 wurde es immer ruhiger um den Umzug. Das
Wiederaufleben des Brauchs lässt sich mit einem Zeitungsbeitrag von
1900 belegen. Seit 1905 organisiert der Verkehrsverein die Räbechilbi
jeweils am zweiten Samstag im November.

Eines der zahlreichen Sujets. Kutsche und Pferd bestehen aus Metall-
und Drahtgestell, Holz, Tuch und Papier. Der Kutscher aber ist echt!
Herbstrübe - weisse Rübe: In der Deutschschweiz ist diese
Kreuzbluetlerin besser bekannt unter dem Namen Räbe. Die Pflanze ist
anspruchlos im Anbau, rund, weissfleischig und schnellwüchsig.

Die Räbe wurde schon im Mittelalter als Zwischenfrucht in der
Dreifelderwirtschaft angebaut. Heute werden Räben als Zweitkultur
gesät, in der Schweiz vor allem in den Kantonen Aargau und Zuerich.
Sie dienen als Ausgangsprodukt für Sauerrüben (kleinere Exemplare)
oder eben Räbeliechtli (grosse Exemplare).

Räben in der Küche: Früher gehörten Räben und Rüben zur
Alltagskost der armen Bauern. Heute führen sie in der Küche ein
Schattendasein, sind höchstens noch in der Spezialitätenküche
anzutreffen. Dennoch: es lohnt sich, das Gemüse wiederzüntdecken,
ganz besonders, weil es beim Schnitzen der Räbeliechtli essbaren
'Abfall' gibt.



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